Nicht nur in Europa stehen Apples Steuerpraktiken in der Kritik - auch in Amerika. Grund: Der Tech-Konzern parkt irrsinnige Geldbeträge im Ausland, um sie in den USA nicht versteuern zu müssen. Doch nun deutet Konzernchef Cook einen Sinneswandel an.
Liquide Vermögen in Höhe von 215 Milliarden Dollar hält der US-Konzern Apple im Ausland. Nun hat Unternehmenschef Tim Cook in einem Interview angekündigt, einen Teil des Geldes in die USA zu überführen - trotz der beträchtlichen Steuern, die dann fällig werden. Für die Zahlungen an den Fiskus habe man "mehrere Milliarden Dollar beiseite gelegt", sagt Cook dem staatlichen irischen Radiosender RTE.
Wie viel Geld genau Apple "repatriieren" werde, verriet Cook zwar nicht. Trotzdem deuten die Äußerungen auf einen Sinneswandel hin. Lange Zeit hatte Apple nämlich ausgeschlossen, die vor allem in Europa erzielten Gewinne auf die heimischen Firmenkonten zu transferieren. Als Grund führte Cook an, dass ihm die entsprechenden Steuersätze in den USA - rund 40 Prozent - zu hoch seien.
Apple-Chef attackiert EU-Kommission scharf
Unterdessen fuhr Cook schwere Geschütze gegen die EU-Kommission auf, nachdem diese Apple Anfang der Woche zu Steuernachzahlungen in Höhe von 13 Milliarden Euro verdonnert hatte. Die Anschuldigungen aus Brüssel seien "politischer Mist", sagte der Manager in einem Interview mit dem "Irish Independent". Er werde mit der Regierung in Dublin eng zusammenarbeiten, um sich gegen die Entscheidung zu wehren. "Niemand hat etwas falsch gemacht, und wir müssen zusammenstehen."
EU-Wettbewerbskommissarin Margarethe Vestager wies die Kritik umgehend zurück. Es handele sich nicht um eine politische Maßnahme, sagte Vestager. "Die Entscheidung stützt sich auf die Fakten des Falls."
Söder stellt sich hinter Apple
Bayerns Finanzminister Markus Söder stellte sich dagegen hinter Apple: "Überzogene Forderungen bei gleichzeitigem Abbruch der Verhandlungen über das Freihandelsabkommen TTIP werden die Handelsbeziehungen massiv belasten", sagte der CSU-Politiker der "Süddeutschen Zeitung" (SZ). "Wir brauchen faire Steuerregeln, aber keinen Handelskrieg."
Der Hintergrund seiner Äußerungen: Die deutsche Apple GmbH sitzt in München. Damit sei das bayerische Finanzministerium hierzulande für den Fall zuständig, so die SZ. Dass der deutsche Fiskus von der Brüsseler Entscheidung profitieren könnte, ist gleichwohl nicht zu erwarten. "Nach derzeitigem Stand ist es unwahrscheinlich, dass Deutschland aufgrund der Entscheidung der EU-Kommission höhere Steuereinnahmen erhalten wird", teilte Söders Ministerium mit.
"Söder macht sich zum Komplizen"
Bei SPD, Linken und Grünen sorgten die Äußerungen Söders für Unmut. Die Parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Bundestagsfraktion, Christine Lambrecht, nannte das Statement "befremdlich". Linken-Fraktionsvize Klaus Ernst warf Söder Lobbyismus vor: "Statt die Kommission mit aller Kraft in dem Bemühen zu unterstützen, fragwürdige und offensichtlich rechtswidrige Steuervermeidung zu verhindern, macht sich der bayerische Finanzminister mit seiner Haltung zum Komplizen von Apple."
Der finanz- und wirtschaftspolitische Sprecher der Grünen im Europa-Parlament, Sven Giegold, erklärte, Söders Kritik an der Entscheidung der EU-Kommission sei ein Freibrief für Steuervermeider.


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